50 Jahre Demeter Österreich

Text und Foto: Norbert Liszt.

Am 30. März 2019 feierte Demeter Österreich im Gasthof Blie in Horn (NÖ) das 50jährige Bestehen. 

Gasthof Blie

Dieser Gasthof ist ein besonderer Ort, denn die Mutter Rudolf Steiners entstammte einem Zweig der Familie Blie.  Auch der Geburtsort von Rudolf Steiners Vater – Trabenreith – liegt in der Nähe Horns. Mit einem humorvollen musikalischen Beitrag wurde zunächst die Generalversammlung eingeleitet.  Der Obmann, Andreas Höritzauer, betonte in seinem Tätigkeitsbericht, dass Demeter Österreich eine stabile Gemeinschaft ist. Menschen mit Initiativkraft ermöglichen ein konstruktives Zusammenarbeiten und machen Demeter stark. Derzeit nimmt das Interesse, Demetermitglied zu werden zu, auch von Seiten der Verarbeitungsbetriebe. Auch wenn die Nachfrage steigt, will man die Standards auf keinen Fall senken. Als zentrales Anliegen erachtet man die Aus- und Weiterbildung.

Wichtige Projekte sind das Jubiläum “50 Jahre Demeter Österreich“ mit zahlreichen Veranstaltungen, die Verabschiedung der neuen österreichischen Vertriebsgrundsätze sowie der Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Bauern & Bäuerinnen, VerarbeiterInnen, HändlerInnen und KonsumentInnen im Sinne eines assoziativen Wirtschaftens. Auch die Einführung von Hofentwicklungsgesprächen und die Stärkung der Tierhaltung auf den Höfen zur Unterstützung der Bodengesundheit stellen Schwerpunkte der künftigen Arbeit dar. Ziel ist dabei der Ausbau der hohen Qualität von Demeter. Dazu zählt auch die weiterhin intensive Zusammenarbeit mit Demeter auf internationaler Ebene.

Die Präsenz vieler Demeter-Pioniere genauso wie vieler junger engagierter Mitglieder bei der Generalversammlung unterstrich den Zusammenhalt und die Kontinuität in der Arbeit von Demeter Österreich.

Das Leitbild von Demeter Österreich:

„Die Mitglieder sehen sich als Vorreiter auf dem Gebiet des biologischen und biodynamischen Landbaus. Deshalb ist man bemüht um eine kontinuierliche Zusammenarbeit sowohl innerhalb als auch außerhalb der Organisation. Demeter Österreich nimmt seine Verantwortung und Kompetenz in der öffentlichen und politischen Auseinandersetzung wahr. Die Aktivitäten sind nicht von Angst und Unsicherheit geprägt, sondern stellen eine mutige und kraftvolle Annahme der neuen Herausforderungen dar. Biologisch-dynamische Produkte spiegeln eine zeitgemäße äußere und innere Qualität wider und stellen damit einen Bezug zur sie umgebenden sozialen Realität unter Beweis.“

Assoziatives Wirtschaften

Demeter Österreich möchte den Weg des assoziativen Wirtschaftens gehen. Das bedeutet, man strebt ein verbindendes, vereinigendes Wirtschaften an und will füreinander Sorge tragen und Verantwortung übernehmen. Konsumenten und Erzeuger verbinden sich und fördern bzw. versorgen sich gegenseitig. Der Bauer versorgt seine Konsumenten mit den Erzeugnissen seiner Landwirtschaft und diese unterstützen ihn, indem sie Geldmittel einbringen – mitarbeiten – organisieren – mitentscheiden was, wie, wann, wo angebaut wird etc. Das Verbindende kann so weit gehen, dass Verarbeitungsbetriebe, Händler, Lieferanten … miteinbezogen werden. Der Bauer oder die bäuerliche Gemeinschaft ist dann eingebunden in ein soziales Netzwerk, das sich gegenseitig stützt.

Demeter Österreich als übergeordnete Instanz stellt in diesem Gefüge den Gesamtorganismus dar, in dem die einzelnen Mitglieder ihren Platz finden und das Funktionieren dieses Organismus ermöglichen.

Diesen Weg wollen die Demeterbetriebe nicht verlassen, auch wenn sie sich in Zukunft darauf einlassen, ihre Produkte in Einzelhandelsbetrieben zu vermarkten. Billa, Spar und Hofer etc. haben Interesse an Demeterprodukten angemeldet. Auf keinen Fall will man, dass Demeterwaren als Eigenmarken gehandelt werden. Es muss immer erkennbar bleiben, dass die Produkte aus biodynamischer Landwirtschaft kommen. Man will auch nur dann in den Einzelhandel gehen, wenn sich die Handelsbetriebe mit dem Prinzip des assoziativen Wirtschaftens einverstanden erklären und diesen Weg des modernen, brüderlichen Zusammenarbeitens mit Demeter Österreich mitgehen wollen.

Es sind keine leichten Aufgaben, denen sich Demeter Österreich stellen will. Ich wünsche den Mitglieder viel Glück, Kraft und Ausdauer auf ihrem Weg im heutigen, auf vielen Gebieten problematischen, Wirtschaftsgefüge.

Entwicklung der biologisch-dynamischen Landwirtschaft

Gegen Ende der Veranstaltung gab es zwei Vorträge von Uta Marquart über das Leben Rudolf Steiners und die Entwicklung der biologisch-dynamischen Landwirtschaft.

Als Gründungsdatum gilt die Tagung zu Pfingsten 1924 im schlesischen Koberwitz nahe Breslau. Rudolf Steiner hielt im Rahmen dieser Tagung eine Reihe von Vorträgen zur Landwirtschaft, deren Mitschriften man später als Gründungsurkunde verstand. Der Ausdruck „biologisch-dynamische Landwirtschaft“ wurde erst später von Erhard Bartsch und Ernst Stegemann gewählt.

Von Deutschland ausgehend erfasst die biologisch-dynamische Bewegung auch Österreich. Vorerst werden die Erkenntnisse Rudolf Steiners nur auf einzelnen Höfen in die Praxis umgesetzt und weiterentwickelt. In der Folge geht daraus der Demeter-Bund (heute Demeter Österreich) als zweitältester Bioverband Österreichs hervor.

1927 – 1935: Der biologisch-dynamische Landbau kommt nach Österreich. Hemma und Luise Wurzer (durch ein Erziehungsjahr in Deutschland lernten sie Graf und Gräfin Poltzer-Hoditz/Gut Tannbach/OÖ kennen, die beim Landwirtschaftlichen Kurs dabei waren) und der aus Berlin stammende Germanist und Verleger Wilhelm Rath begründen in Kärnten die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise mit dem Wurzerhof bei St. Veit/Glan und Gut Farrach im Lavanttal als den ersten Höfen. Weitere vier Güter in Niederösterreich, Salzburg und der Steiermark schließen sich an.

Der Wurzerhof ist damit der älteste bestehende Hof, der seit 1927 bis heute nach den Erkenntnissen Rudolf Steiners biologisch-dynamisch bewirtschaftet wird. Mehr dazu auf www.demeter.at/diverses/geschichte/

Neue Homepage www.demeter.at

Sie lädt dazu ein, mehr über Demeter und die biodynamische Wirtschaftsweise zu erfahren. Übersichtlich wird über aktuelle Veranstaltungen informiert und auf Aus- und Weiterbildungen aufmerksam gemacht. Entdecken Sie in der Landkarte, wo überall biodynamisch gewirtschaftet wird und suchen Sie gezielt nach Mitgliedsbetrieben mit unserer neuen Suche.

Veranstaltungen von Demeter Österreich,  www.demeter.at/veranstaltung/

  1. Juni 2019 Erden & Irden zur Sommersonnwende

Weingut Ploder-Rosenberg, 8093 St. Peter am Ottersbach, Unterrosenberg 86
ab 13:00 Uhr Hoffest am Demeter-Weingut Ploder-Rosenberg

www.ploder-rosenberg.at/blog/2019/02/11/erden-irden-2019-hoffest/

  1. Juni WISSEN.MARKT

7152 Pamhagen, Lerchenfeld

Agrikultur, Präparategruppe Neusiedler See. Johannifeuer, 50 Jahre Demeter Österreich, ab 11 Uhr

Kontakt: 0699 177 05 166

  1. Juli: 9:00 – 16:00 Fermentation-Workshop

Weingut Ploder-Rosenberg, 8093 St. Peter am Ottersbach, Unterrosenberg 86

www.ploder-rosenberg.at/blog/2019/02/11/fermentations-workshop-am-weingut-ploder-rosenberg/

  1. September – 7. September Die sprechenden Gesichter der Kühe – Mimik, Körpersprache, Verhalten 4064 Oftering, Hödlgut, Mitterbachhamerstraße 10, www.hoedlgut.at, wolfgang@hoedlgut.at

21.–22. September 2019 Hoffest Wegwartehof

Anlässlich 50 Jahre Demeter und 25 Jahre Wegwartehof bieten wir Hofbesichtigungen und Infos über Demeter an. Freitags ab 14.30 Uhr. www.wegwartehof.at

  1. September – 28. September Wahrnehmen und Forschen im Lebendigen der Natur – Modul 6 mit Markus Buchmann. Ein Lehrgang in meditativer Wahrnehmungsschulung zur Erfassung des Ätherischen auf Basis der Bildekräfteforschung. Ort wird noch bekanntgegeben. Kontakt: weiterbildung@demeter.at

Mai bis Oktober Demeter-Geburtstagsführungen

Jeden Freitag findet um 17:00 Uhr anlässlich der 50 Jahre Demeter eine Führung im Nikolaihof statt. Mehr auf: www.nikolaihof.at, Kontakt: wein@nikolaihof.at

Die Veranstaltungen finden Sie auch unter http://www.anthroposophie.or.at/veranstaltungen/ und in der Druckschrift Wegweiser Anthroposophie in Österreich unter Aktuelle Veranstaltungen

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