Priester – König – Händler

Worum ging es in der Artikelreihe über den Seehandel und Soziale Dreigliederung?   Text: Reinhard Apel

Dreieck

Das erste Glied

Im alten Ägypten noch ist alles durch und durch Theokratie. Eine Herrschaft der Priesterkaste, der Pharao selber eine gottähnliche Instanz. Es gibt eigentlich nur das Geistesleben als alles bestimmenden Faktor. Seinen Prinzipien wird alles untergeordnet. Das ist die soziale Eingliederung sozusagen.

Das zweite der sozialen Glieder

Ab der griechischen Periode dann: ein vollständiger Umschwung. Das geistig-spirituelle Element tritt deutlich zurück und wir haben von Griechenland über Rom bis ins Mittelalter Helden, Krieger, Könige als die markante Erscheinung. Das Rechtsleben tritt somit neben das Geistesleben der Priesterkaste und zwar in kämpferischer Form.

Besonders in den Heldensagen –  im Nibelungenlied, in den Gralslegenden zum Beispiel – zeigt sich aber: Es ist im Ideal ein Kampf, der um das Gute, Gerechte geführt wird. Kurzum um das Recht. Diese ist immer neu herauszuarbeiten, zu erringen. Der Zeit entsprechend noch mit dem Schwert. Ja, es werden natürlich Güter erzeugt, auch eingeschränkt gehandelt und sehr alt ist sie, die ehrwürdige Seidenstraße. Wirtschaft  als wichtigster sozialer Faktor – so wie er dann hervortrat – schlummert  jedoch noch im Hintergrund des Seins.

Glied Nummer drei

Nach einem Vorgeschmack im freien Städtewesen des späten Mittelalters hebt so ab 1500 ein wieder ganz neuer Grundton an.

Das Wirtschaftsleben entwickelt sich ab den portugiesischen Entdeckungsfahrten Zug um Zug. Zunächst wahrt es noch eine gewisse Eigenständigkeit und bildet im Kolonialismus der Portugiesen und der Holländer den merkantilen fortschrittlichen Strom des Welthandels aus. Erst im am Ende siegreichen und alles überlagernden britischen Kolonialismus kommt es zur völligen Verschmelzung von Wirtschaft; Politik und Kultur, genannt das Britisch Empire. Der Dreiklang wird zum Einheitsbrei. Das schafft große Machtfülle, behindert aber die Menschheitsentwicklung der Gegenwart. Im antiken Ägypten hingegen war die Subsumierung alles sozialen Lebens unter eine Hierarchie noch förderlich. Wobei in der alten Nilkultur der Geist ohnehin alles überstrahlte, wie man an der Kunst jener Zeit gut zeigen kann.

Wenn man sich etwas vom Christkind wünschen könnte, wär‘s in diesem Kontext das erneute Selbstständig Werden des Wirtschaftslebens ohne Knebelung der anderen zwei Glieder des sozialen Organismus. Die Hanse hat‘s ja auch gekonnt. Sollte in dieser Richtung eine Route zu neuen Ufern liegen?

* „Deutsch“ bezeichnet hier keinen nationalen Stolz

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