Zur Bienenhaltung

Von der Heilkraft des Honigs, wesensgemäßer Bienenhaltung, den Bildekräften und einem Selbstversuch

Text und Fotos: Hubert Winter

„Für die Bienenzucht müsste eigentlich jeder Mensch das allergrößte Interesse haben, weil von der Bienenzucht wirklich mehr als man denkt im menschlichen Leben abhängt“, sagt Rudolf Steiner bei einem Vortrag vor Arbeitern am Goetheanum1. In diesen Vorträgen spricht er sich auch entschieden gegen künstliche Königinnenzucht aus, weil damit die organische Einheit von Königin und Volk zerstört wird und deshalb auf längere Sicht der Verlust der Biene als Kulturgut droht. Daher wird der Volksvermehrung aus dem Schwarmtrieb – die übrigens bis ins 20. Jahrhundert die einzig übliche Methode war – große Bedeutung beigemessen. Abbildung 1 zeigt einen Bienenschwarm, der sich auf einem Apfelbaum niedergelassen hat.
Abbildung 1 Bienenhaltung
Abb. 1: Bienenschwarm

Neben dem Schwarmtrieb stellt auch der Naturbau – zumindest im Brutraum – eine wichtige Grundlage für eine wesensmäßige Bienenhaltung dar. Die Verwendung von Mittelwänden bietet zwar für den praktischen Betrieb eine erhebliche Erleichterung, nachteilig dabei ist allerdings, dass das „alte“ Bienenwachs nicht ausgeschieden wird, sondern immer wieder in die Stöcke zurückgelangt. So finden sich häufig noch Spuren von Apistan, einem längst verbotenen Mittel zur Bekämpfung von Varroa-Milben, im Bienenwachs.

Vorteile des Naturbaus
Außerdem wird durch die Vordefinition der Zellgrößen, welche einseitig auf Arbeiterbienen ausgelegt sind, der Wabenbau ausschließlich auf diese ausgerichtet. Das Volk tut sich schwer, größere Zellen für Drohnenbrut zu gestalten, und es wird ihm auch die Entscheidung erschwert, die Aufteilung selbst vorzunehmen, wie viele Arbeiterinnen und wie viele Drohnen es aufziehen soll. Für den Naturbau spricht auch, dass er nicht gleich schimmelt, wenn Waben über den Winter nicht von Bienen besetzt sind.

In Abb. 2 ist ein Natur-Wabenbau dargestellt. Das ursprüngliche Bienenwachs ist reinweiß und fast durchsichtig. Erst durch das Einlagern von Honig bzw. durch den Blütenstaub wird es gelb bis rötlich, was in der Bildmitte erkennbar ist. Schöner Naturbau ist nur aus der Schwarmstimmung heraus erzielbar. Bei der konventionellen Arbeit mit Mittelwänden würde Naturbau immer Drohnenbau werden, weil hier – bedingt durch die einseitige Veranlagung von Arbeiterinnen – ein Defizit an Drohnen vorliegt.

Abbildung 2 BienenhaltungAbb. 2: Naturbau

Eine Besonderheit liegt in der streng geometrischen Sechseckstruktur des Wabenbaues, die den Betrachter stets fasziniert. Rudolf Steiner bringt sie mit Bildekräften in Beziehung, die einstmals in fernen Urzeiten die Quarzkristalle sechseckig entstehen ließen2. Er führt aus, dass hier zwischen der Biene und der Blume etwas Ähnliches vorgeht wie das, was einst draußen im Makrokosmos vorging. In Urzeiten träufelte der Quarz in wachsartiger Form vom Kosmos herein. Und dieser „Wachskiesel“ war von Licht durchdrungen. In der Anthroposophischen Medizin wird Quarz als Heilmittel für Vorgänge, die mit dem Sinnesmenschen zu tun haben, verwendet. Vielleicht zählt Rudolf Steiner aus diesem Grunde Honig nicht zu den Nahrungsmitteln, sondern zu den Heilmitteln.

Herausforderung Varroa
Eine große Herausforderung für die Bienenhaltung besteht seit einigen Jahrzehnten im Auftreten der Varroa-Milbe. Es handelt sich dabei um einen Parasiten, der die Biene als Wirtstier benutzt. Diese Milbe wurde in den 1970er Jahren von Imkern selbst aus Asien eingeschleppt. Die europäische Biene hat im Gegensatz zur asiatischen Biene keinen Mechanismus zur Eindämmung der Milbe parat. Man geht davon aus, dass es in Europa kein Volk mehr gibt, das nicht von Milben befallen ist. Ohne Eingreifen des Imkers vermehrt sich die Milbe so lange in der Brut und schwächt das Bienenvolk zunehmend, bis es zusammenbricht, was nach wenigen Jahren der Fall ist.

Abbildung 3 zeigt einen Ausschnitt aus einer Tasse, die während der Milbenbehandlung mit Ameisensäure in den Boden des Bienenstockes gelegt wurde. Die bräunlichen, leicht ovalen Pünktchen sind abgefallene Milben (1,8 bis 2mm Durchmesser). Bei diesem Volk hatte ich 2014 ca. 1300 Milben in der Tasse gezählt. Dies war die höchste Zahl, die ich in 10 Jahren vorfand. Man kann davon ausgehen, dass ein Vielfaches noch in der Brut vorhanden war.

Abbildung 3 BienenhaltungAbb. 3: Nach Entmilbung abgefallene Varroa-Milben

Anregungen aus dem Landwirtschaftlichen Kurs
Im sogenannten Landwirtschaftlichen Kurs3 gibt Rudolf Steiner Hinweise zur Schädlingsbekämpfung. Hier weist er in Bezug auf die Bildung von tierischen Schädlingen auf den Zusammenhang mit dem Tierkreis hin. Vermittelt werden diese Bildekräfte durch Sonne und Planeten, wobei er bei der Entstehung die Vermittlung durch das Wässrige betont. Nun kann die Fruchtbarkeit des Wässrigen durch das Feuer in das Gegenteil verkehrt werden, wodurch die Fortpflanzung eingedämmt wird.

Am Beispiel der Rüben¬-Nematode gibt er die entsprechende Konstellation für die Verbrennung von Insekten an, nämlich wenn die Sonne vor dem Sternbild des Stieres steht. In seinem Buch über Bienen4 gibt Matthias Thun die Konstellation zur Veraschung von Varroa-Milben mit der Stellung von Sonne und Mond vor Stier an. Er gibt auch genaue Hinweise, wie das Verbrennen erfolgen kann, und betont, dass die Asche dann eine Stunde im Mörser verrieben werden soll, bevor sie von oben in die Stöcke gestreut wird. Nachdem 2014 ein so starkes Milbenjahr war, entschloss ich mich, entsprechend dieser Angaben die Milben zu veraschen. Abbildung 4 zeigt die Milbenasche im Mörser. Die Verbrennung erfolgte am 15. Mai 2015 um ca. 11:00h.

Abbildung 4 BienenhaltungAbb. 4: Milbenasche im Mörser

Veraschen: Von 1.200 auf 60 Milben
Vom Ergebnis war ich verblüfft. Nach der Behandlung mit Ameisensäure Anfang August konnte ich maximal ca. 60 Milben in der untergelegten Tasse finden. Auch bei der Restentmilbung im Dezember war das Ergebnis ähnlich. So könnte ich dieses Jahr gar keine Veraschung durchführen, da ich nicht ausreichend Milben zur Verfügung habe.

Hubert Winter ist Wissenschaftler an der TU Graz und leitet eine technisch-naturwissenschaftliche Arbeitsgruppe– Kontakt siehe regelmäßige Veranstaltungen Steiermark

1 GA 351 Über das Wesen der Bienen
2 GA 233 Die Weltgeschichte in anthroposophischer Beleuchtung
3 GA 327 Landwirtschaftlicher Kurs
4 Matthias K. Thun, „Die Biene“

Hubert Winter ist Wissenschaftler an der TU Graz und leitet eine
technisch-naturwissenschaftliche Arbeitsgruppe– Kontakt siehe
regelmäßige Veranstaltungen Steiermark

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