Text und Bild: Barbara Richtarski
Die Geometrie ist ein geistiges Erlebnis des Menschen, das er selbst erzeugt und das dennoch auf einer Gesetzmäßigkeit beruht, … „Rudolf Steiner oder die Liebe zur Geometrie”
Gerade heute in unserer vorgeformten fertigen Welt ist das gezielte Bilden von inneren Vorstellungen von großem seelischen Wert. Geometrische Formen, die wir überall in der äußeren Welt sehen – welch Reichtum an Anregungen!
Langsam, Schritt für Schritt kann jeder mitmachen, ein inneres Bild einer geometrischen Form zu entwickeln. Wir beginnen damit, dass wir versuchen, uns einen Würfel (Hexaeder) vorzustellen. Auch im nächsten Heft werden Anregungen zu geometrischen Vorstellungsübungen erscheinen.
1.Teil: Imaginative Geometrie
Es gibt mehrere Geometriearten – z.B. die „euklidische“, die uns manchmal vertraute Geometrie der „platonischen Körper“, die hochgeschätzte „projektive Geometrie“ und so gibt es noch etliches mehr. Was wir jedoch hier treiben, ist die „imaginative Geometrie“, sozusagen die „unsichtbare Geometrie“, bei der ein bestimmtes geometrisches Gebilde nur in der Vorstellung entsteht. Es geht darum die Kraft des Vorstellens zu üben. Mache dir ein Bild – so ganz in der Luft! Schaue mit geschlossenen Augen und stelle durch inniges innerliches Bilden eine geometrische Form vor deine Seele! Das braucht mitunter ziemliche Konzentration, genau darum geht es auch! Sich auf etwas Bestimmtes ganz und gar zu konzentrieren, dazu eignet sich etwas „Objektives“ im wahrsten Sinn des Wortes sehr gut.
Geometrische Vorstellungsübung
Aus der Welt des Würfels (auf geometrisch „Hexaeder“, griech. „Sechsflächner“): Finde selbst drei verschiedene Vorgangsweisen, dir einen Hexaeder vor16 zustellen – durchsichtig, mit freier Sicht auch auf die hinten liegenden Kanten, Ecken und Flächen. Was braucht es, damit ein Hexaeder werden kann – wie ist das mit den rechten Winkeln (orthogonal), den parallelen Kanten . . . Bedenke, dass im Gegensatz zu anderen Orthogonen (Rechtecken) alle Seiten des Würfels gleich lang sind. Habe Geduld mit dir! Es kann ein Weilchen dauern, bis es wirklich glückt! Wenn dir das nun nach einigem Üben gelungen ist, so versuche verschiedene Ansichten des Hexaeders in der Vorstellung zu bilden: auf der Fläche stehend, die Seite einmal links, dann auch einmal rechts, auch oberhalb oder unterhalb der Standfläche des Hexaeders, ebenso auf der Kante stehend, vorne die Fläche, dann die Kante, dann die Ecke. Nun das gleiche auf dem Spitz stehend. In der Zeichnung oben steht er auf dem Spitz, die Kante vorne. Wie viele Ansichten findest du?
Innerer Anspruch:
Bleibe beim Üben ausschließlich in der Vorstellung, kontrolliere immer wieder deine Gedanken – wo bin ich mit meinen Gedanken? Lasse nur Weiterführendes zu und bilde exakte Vorstellungen. Diese Vorstellungsübungen sind nur zum Vorstellen da. Zeichne niemals, um die Antwort zu finden, das geht an der Intention vorbei, denn der Gewinn und der Genuss liegen im Lösen des Komplizierten. Arbeite mit exakter Phantasie, ex-Akt, ohne Aktion, tatenlos – ausschließlich mit deiner eigenen künstlerischen Intelligenz!
| Anregung:
Für jene, die gemeinsam üben, sich austauschen oder mehr wollen, biete ich ein gemeinsames Treffen an. Sobald wir mindestens acht Leute sind, kann es stattfinden! Barbara Richtarski: 06805552213, richtarski@gmx.at |

