ausgestrahlt am 21. Okt. 2025
Der ORF hat zum 100. Todesjahr Rudolf Steiners eine Dokumentation mit dem Titel „Rudolf Steiner. Apostel der Esoterik“ ausgestrahlt. Die 45 Minuten dauernde Produktion ist leider sehr einseitig geraten und verrät in vielen Passagen die Absicht, Rudolf Steiner und die Anthroposophie zu diffamieren und in ein dubioses Licht zu rücken.
Die aus der Sicht der Anthroposophischen Landesgesellschaft wichtigsten Kritikpunkte:
- Eine sachliche und wertschätzende Würdigung des Lebenswerkes Rudolf Steiners wird schon in den ersten zwei Minuten der Dokumentation unmöglich gemacht, indem durch Schlagworte und Bilder („ ein Fall für die „Psychiatrie“, „wissenschaftlicher Blödsinn“, „pseudowissenschaftliche Lehre“, ja sogar „Zersplitterung der Gesellschaft“ plus Bildern von Corona-Demonstrationen) die Einschätzung des Publikums negativ beeinflusst wird.
- Insgesamt wurden, anders als in vergleichbaren Dokumentationen im deutschen Sprachraum, insgesamt sieben Kritiker, mit zum Teil fragwürdiger Kompetenz, eingeladen. Der bekannte Anthroposophie-Kritiker Helmut Zander wurde vom ORF als „Fachberater“ hinzugezogen.
- Obwohl die Redakteurin ausführlich über die historischen Zusammenhänge informiert wurde, versuchte man, gestützt auf eine Detail-Forschung zu Weleda in der NS-Zeit, Rudolf Steiner und die Anthroposophen als Mittäter darzustellen und eine Nähe zu Rassismus und Nationalismus zu unterstellen.
- Wiederholt wurde versucht, die Waldorfpädagogik, die anthroposophische Medizin und die biologisch-dynamische Landwirtschaft lächerlich zu machen und als unwissenschaftlich darzustellen. (Nachstehend finden sich einige Hinweise zu agrarwissenschaftlichen und medizinischen Forschungen, die dies widerlegen. Wir danken DI Florian Amlinger und Thomas Meisermann sehr her
- zlich für die kommentierte Zusammenstellung dieser Forschungsergebnisse!)
Der ORF hat es – anders als andere Rundfunkanstalten und Medien im Gedenkjahr 2025 – mit dieser Produktion leider verabsäumt, das Lebenswerk des Österreichers Rudolf Steiner objektiv zu würdigen. Auch die Proteste und Argumentationen von Seiten der Landesgesellschaft im Nachfeld der Ausstrahlung stießen bei der ORF-Redaktion auf keinerlei Verständnis.
Forschungen zur Biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise (zusammengestellt von DI Florian Amlinger):
Meta Studien bzw. Reviews, in denen zwischen 86 und 147 peer reviewed Publikationen mit ‚impact factor‘ untersucht wurden:
- Amélie Christel, · Pierre‑Alain Maron, · Lionel Ranjard (2021): Impact of farming systems on soil ecological quality: a meta‑analysis. Environmental Chemistry Letters (2021) 19:4603–4625
- Santoni, M., Ferretti, L., Migliorini, P. et al.A review of scientific research on biodynamic agriculture. Agr. 12, 373–396 (2022). https://doi.org/10.1007/s13165-022-00394-2
- Brock, Chr., Geier, U., Greiner, R., Olbrich-Majer, M., Fritz, J.: Research in biodynamic food and farming – a review. Open Agriculture. 2019; 4: 743-757, De Gruyter.
Zusammenfassend kann ein evidenter positiver Effekt der biologisch-dynamischen Bewirtschaftung auf das Agroecosystem, insbesondere auf Boden-Qualitätsmerkmale, und auch auf die Lebensmittelqualität konstatiert werden. Mehr spezifisch zeigt sich:
1) effizientere Erhaltung und Anreicherung des organischen Kohlenstoffs (Humus) im Boden, hier insbesondere der biologisch stabileren Humuspools („Dauerhumus“)
2) Erhöhung bodenbiologischer / bodenenzymatischer Parameter in bio-dynamischen Systemen gegenüber organischer Landwirtschaft als Indikatoren eines intensiveren/erhöhten und effizienteren Metabolismus der umsetzbaren organischen Substanz (bio-indicators), sprich Lebenstätigkeit im Boden. Damit wird der bio-dynamischen Landwirtschaft die höchste bodenökologische Qualität (synonym für „Bodenfruchtbarkeit) attestiert.
3) Die Förderung der Boden-Biodiversität und der synergistischen Clusterbildung des Bodenmikrobioms insbesondere jener Artengruppen, die spezifisch das Pflanzenwachstum fördern. Darüber hinaus wurde die Anreicherung von Wachstumsfördernden Substanzen (zB Auxinen) in biologisch-dynamischen Präparaten gefunden.
Drei spezifische Publikationen seien hier zur Untermauerung der aktuellen evidenzbasierten Forschung angeführt:
Ergebnisse des Langzeitvergleichsversuches (42 Jahre DOK-Versuch) des FibL, CH:
Krause, HM., Mäder, P., Fliessbach, A. et al. Organic cropping systems balance environmental impacts and agricultural production. Sci Rep 14, 25537 (2024). https://doi.org/10.1038/s41598-024-76776-1
Fliessbach A., Krause H-M., Jarosch K., Mayer J., Oberson A., & Mäder P. (2024).
Der DOK-Versuch: Vergleich von biologischen und konventionellen Anbausystemen über 45 Jahre.
Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, Frick. https://www.fibl.org/de/shop/1260-DOK-Dossier
Ergebnisse aus diesem Langzeitversuch, die besondere Effekte der biologisch-dynamischen Bewirtschaftungsvariante aufzeigten:
- Von den verschiedenen Anbausystemen speicherte ausschließlich das biodynamische Verfahren mit praxisüblicher Düngung zusätzlichen organischen Kohlenstoff im Boden. Im BIODYN-System wurden außerdem die geringsten Lachgasemissionen
- Die Masse der in Symbiose mit den Kulturpflanzenwurzeln lebenden Mykorrhiza-Pilze stieg unter Trockenstress am stärksten in BIODYN Parzellen an.
- Mit der Mistkompostanwendung erreichte das BIODYN-2-Verfahren (entsprechend 1,4 Großvieheinheiten pro Hektar) signifikant höhere organische Kohlenstoffgehaltegegenüber allen anderen Verfahren. Alle Indikatoren für Bodenfruchtbarkeit zeigten in den Biosystemen und besonders im BIODYN-System bessere Werte. Die Bodenfruchtbarkeit von BIODYN bei reduzierter Düngung erreichte oder überstieg die von CONFYM bei praxisüblicher Düngung. (CONFYM = konventionelle Bewirtschaftung mit Rindermistdüngung)
- Der Stickstoffvorrat in den oberen 20 cm des Bodens nahm, ähnlich wie der organische Kohlenstoffvorrat, ausschließlich im BIODYN-2-Verfahren zu.
Zwei Studien zum positiven Effekt der bio-dynamischen Präparate auf das Bodenmikrobiom in Symbiose mit dem Pflanzenwachstum:
Ortiz-Álvarez, R., Ortega-Arranz, H., Ontiveros, V. J., de Celis, M., Ravarani, C., Acedo, A., Belda, I.: Network Properties of Local Fungal Communities Reveal the Anthropogenic Disturbance Consequences of Farming Practices in Vineyard Soils. Journal: mSystems, Vol. 6, No. 3. 6:e00344-21 (2021). https://doi.org/10.1128/mSystems.00344-21
- Die Studie untersucht, wie verschiedene landwirtschaftliche Praktiken die Struktur und Funktion von Pilzgemeinschaften in Weinbergsböden beeinflussen. Dabei wurden 350 Bodenproben aus den USA und Spanien analysiert, die unter konventioneller, biologischer und bio-dynamischer Bewirtschaftung stehen.
Die Ergebnisse zeigen, dass biodynamische Praktiken zu dichter vernetzten Pilzgemeinschaften führen, die widerstandsfähiger gegenüber Umweltveränderungen sind. Konventionelle Bewirtschaftung hingegen begünstigt stärker spezialisierte Pilzgemeinschaften mit weniger Vernetzung und höherem Wettbewerb. Biodynamische Böden weisen eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Temperaturänderungen auf und fördern die Bodenfruchtbarkeit sowie die Qualität der Trauben.
Felix Milke, Heberto Rodas-Gaitan, Georg Meissner, Vincent Masson, Meike Oltmanns, Morten Möller, Yvette Wohlfahrt, Boris Kulig, Alberto Acedo, Miriam Athmann, Jürgen Fritz, Enrichment of putative plant growth promoting microorganisms in biodynamic compared with organic agriculture soils, ISME Communications, Volume 4, Issue 1, January 2024, ycae021, https://doi.org/10.1093/ismeco/ycae021
- Zusammenfassende Conclusio hier: „… Altogether, our results indicate that biodynamic preparations can act as biofertilizers that promote soil health by increasing the abundance of plant growth promoting microorganisms.“
Zwei Untersuchungen über den Zusammenhang des Mikrobioms in biologisch-dynamischen Präparaten und in der Rhizosphäre von Apfelbäumen sowie der Biodiversität des Mikrobioms in und auf den Äpfeln
Diese Arbeiten entstanden unter der der Federführung von Prof. Dr. Gabriele Berg von der TU Graz, Wissenschaftlerin des Jahres 2025
- Olimi E, Bickel S, Wicaksono WA, Kusstatscher P, Matzer R, Cernava T and Berg G (2022) : Deciphering the microbial composition of biodynamic preparations and their effects on the
apple rhizosphere microbiome. Soil Sci. 2:1020869. doi: 10.3389/fsoil.2022.1020869
Hier sei nur ein Satz aus dem Abstrakt zitiert: „Our study paves way for the science-based adaptation of empirically developed biodynamic formulations under different farming practices to restore the vitality of agricultural soils.“
- Wassermann B, Müller H and Berg G (2019): An Apple a Day: Which Bacteria Do We Eat With Organic and Conventional Apples? Microbiol. 10:1629. doi: 10.3389/fmicb.2019.01629
Untersucht und verglichen wurden vor allem Äpfel. Hier hat sich gezeigt, dass sich biodynamische Landwirtschaft nicht nur auf den Boden auswirkt, sondern über das Mikrobiom im Boden einen Einfluss auf das Mikrobiom in den verschiedenen Teilen der Äpfel hat: Samen, Stängel, Schale, Kelch und natürlich auch das Fruchtfleisch.
Pflanzenmikrobiota spielen eine wesentliche Rolle für die Entwicklung, Widerstandsfähigkeit und Gesundheit von Pflanzen. Die Art der Bewirtschaftung verändert nicht die Menge und Dichte an Organismen, aber deren Zusammensetzung. Biodynamische Landwirtschaft führt zu einer größeren
Varianz und Vielfalt im Mikrobiom und zu einer anderen Gewichtung. Unter anderem konnte auch nachgewiesen werden, dass manche für den Menschen potenziell gesundheitsschädliche Organismen in einer viel kleineren Anzahl vorhanden sind. Die Ergebnisse der Forschung zeigen, dass wir mit einem Apfel rund 100 Millionen Bakterienzellen zu uns nehmen – und obwohl die Menge gleich war, unterschied
sich die bakterielle Zusammensetzung zwischen konventionell und biodynamisch kultivierten Äpfeln signifikant.
Forschungen zur Anthroposophischen Medizin insbesondere zur Misteltherapie (zusammengestellt von Dr. Thomas Meisermann mit dem Hinweis, dass auf der Website der Medizinischen Sektion am Goetheanum noch weitere Hinweise zu finden sind):
Wie auf mistel-therapie.de angeführt , gibt es eine Reihe von Wissenschaftlichen Publikationen zur Misteltherapie (aus klinischer Sicht – zur Heilpflanze etc, gibt es eine Überfülle an Publikationen, über 1000…)
Metaanalysen (derzeit die höchstbewertete Form von Publikationen, fassen mehrere Einzelstudien zusammen, daher Ergebnisse „belastbar“ )
- Hofinger at al. 2024:Systematische Bewertung des Einflusses der Qualität von Studien zur Misteltherapie bei Krebs auf die Ergebnisse einer Metaanalyse zur Gesamtüberlebenszeit
- Loef et al. 2023: Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen, die mit Mistelextrakten behandelt wurden: Eine systematische Übersicht und Metaanalyse
- Loef und Wallach 2022: Überleben von Tumorpatient*innen, die mit nicht-fermentierten Mistelextrakten behandelt wurden: Eine systematische Übersicht und Metaanalyse
- Pelzer et al. 2022: Tumorbedingte Fatigue bei Patient*innen, die mit Mistelextrakten behandelt wurden: eine systematische Übersicht und Metaanalyse
- Loef und Walach 2020: Lebensqualität von Tumorpatient*innen, die mit Mistelpräparaten behandelt wurden: ein systematisches Review und eine Metaanalyse
- Ostermann et al. 2020: Eine systematische Übersicht und Metaanalyse zum Überleben von Tumorpatient*innen, die mit einem Mistelpräparate (Iscador) behandelt wurden: eine Aktualisierung der Ergebnisse
- Freuding et al. 2019: Die Mistel in der onkologischen Behandlung: eine systematische Übersicht; Teil 1: Überleben und Sicherheit
- Freuding et al. 2019: Die Mistel in der onkologischen Behandlung: eine systematische Übersicht; Teil 2: Lebensqualität und Toxizität der Tumortherapien
- Kröz et al. 2016: Besteht eine Indikation für die Misteltherapie in der Behandlung von Cancer-related Fatigue und Insomnie bei Tumorpatient*innen? Ein Review
- Büssing et al. 2012: Lebensqualität und damit verwandte Parameter bei Tumorpatient*innen, die mit Mistelextrakt (Iscador) behandelt wurden: eine Metaanalyse
- Kienle und Kiene 2010: Einfluss von Viscum album-Extrakten (Europäische Mistel) auf die Lebensqualität von Tumorpatient*innen: Eine systematische Übersicht über kontrollierte klinische Studien
- Ostermann et al. 2009: Überleben von Tumorpatient*innen, die mit Mistelextrakt (Iscador) behandelt wurden: eine systematische Literaturübersicht
- Kienle et al. 2009: Viscum album-Extrakte beim Mammakarzinom und anderen gynäkologischen Tumorerkrankungen: ein systematischer Überblick über die klinische und präklinische Forschung
- Horneber et al. 2008:Misteltherapie in der Onkologie – Ein Cochrane-Review
- Kienle und Kiene 2007:Komplementäre Tumortherapie: Eine systematische Übersicht über prospektive klinische Studien mit anthroposophischen Mistelextrakten
- Lange-Lindberg et al. 2006:Misteltherapie als begleitende Behandlung zur Reduktion der Toxizität der Chemotherapie maligner Erkrankungen (HTA-Bericht)
Klinische Studien als Einzelstudien:
. Schad F, Thronicke A, Steele M L, Merkle A, Matthes B, Grah C and Matthes H. Overall survival of stage IV non-small cell lung cancer patients treated with Viscum album L. in addition to chemotherapy, a real-world observational multicenter analysis. PloS one, 2018;13:e0203058. DOI:10.1371/journal.pone.0203058
. Axtner J, Steele M, Kroz M, Spahn G, Matthes H and Schad F. Health services research of integrative oncology in palliative care of patients with advanced pancreatic cancer. BMC Cancer, 2016;16:579. DOI:10.1186/s12885-016-2594-5
.Tröger et al. 2013, 2014 [81, 127] Einfluss einer Misteltherapie auf die Überlebenszeit und Lebensqualität von Patient*innen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Pankreaskarzinom – eine randomisierte klinische Phase-III-Studie
