Text und Bild: Ingrid Rasocha
Zum besseren Verständnis zuerst einige einführende Informationen zu den Orten und den Personen der Handlung. In der Stadt Athen regiert Theseus, der die Amazonenkönigin Hippolyta, deren Liebe er im Kampf gewonnen hat, heiraten möchte. Weiters gibt es Egeus, den Vater der Hermia, die Lysander liebt, sowie das Liebespaar Helena und Demetrius. Ebenso leben dort Handwerker, die im weiteren Geschehen eine wichtige Rolle spielen.
Im angrenzenden Wald herrschen der Elfenkönig Oberon und seine Gemahlin Titania. In ihrem Gefolge befinden sich außer den Elfen der Droll Puck und weitere Elementarwesen.
Endlich ist es soweit. In vier Tagen soll die Hochzeit von Theseus und Hippolyta unter dem glücksbringenden Zeichen des zunehmenden Mondes abgehalten werden. Ganz Athen soll geschmückt dem Fest einen feierlichen Rahmen geben. Da platzt Egeus mit einem dringenden Anliegen in die Vorbereitungsgespräche des fürstlichen Paares hinein.
Es geht um die Heirat seiner Tochter Hermia. Egeus will Demetrius mit seiner Tochter vermählen, doch diese weigere sich, dem Willen des Vaters zu gehorchen, da sie Lysander liebe. Dieser hätte seine Tochter umgarnt, sodass die beiden ein Liebespaar geworden sind. Da es in Athen Sitte ist, dass die Tochter dem Vater gehorchen muss, verlangt Egeus von Theseus die Erlaubnis von seinem Recht Gebrauch machen zu dürfen. Theseus stimmt dem Vater zu und fordert Hermia auf, Demetrius zu heiraten. Würde sie sich widersetzen, so hätte sie entweder den Tod zu erwarten oder ihre Lebenstage im Kloster zu verbringen. Bis zum Neumond, dem Tag seiner Hochzeit gesteht der Fürst Hermia Bedenkzeit zu. Demetrius will Hermia von seiner Liebe überzeugen, doch Lysander führt an, dass dieser noch vor einiger Zeit um Helena geworben habe und Helena ihn noch immer liebe. Daraufhin zieht sich Theseus zu einem Gespräch mit Egeus und Demetrius zurück.
Lysander schlägt Hermia die Flucht zu seiner Tante vor, da diese außerhalb der Reichweite der Gesetze Athens lebt und sie daher dort heiraten könnten. Hermia willigt sofort ein und sie verabreden einen Treffpunkt am Abend.
Da trifft Helena auf die beiden, sie erzählt von ihrer Eifersucht, da sich Demetrius der schönen Freundin zugewandt hat. Hermia erzählt ihrer Freundin Helena von den Entwicklungen und weiht daraufhin Helena vertrauensvoll in ihre Pläne ein. Helena beschließt jedoch den Plan der Liebenden an Demetrius zu verraten. Sie will den Verrat in Kauf nehmen, um so die Aufmerksamkeit und Liebe des Demetrius zu erhalten.
Die Handwerker haben beschlossen, zu Ehren des Herrscherpaares am Hochzeitstag die Tragödie von Pyramus und Thisbe einzustudieren. Da dies eine Überraschung sein soll, finden die Proben am nächsten Tag im Wald statt.
Im zweiten Aufzug ändert sich der Schauplatz. Wir befinden uns im Wald, wo eine Elfe gerade dabei ist, die Blumen mit Tau zu benetzen. Sie wird bei ihrem Tun von Puck unterbrochen, der ihr vom Streit des Elfenkönigpaares berichtet. Grund dafür ist, dass Titania ein indisches Fürstenkind einer befreundeten Fürstin, die bei der Geburt gestorben ist, großziehen möchte und immer bei sich haben will. Der eifersüchtige Oberon würde den Knaben lieber als seinen Knappen in sein Gefolge aufnehmen und mit ihm durch den Wald ziehen. Da erkennt die Elfe in dem Troll Puck den Poltergeist, der gerne Schabernack treibt, aber trotzdem von allen gemocht wird.
Als Titania und Oberon sich im Wald begegnen, bezichtigen sie sich gegenseitig der Untreue. Titania betrüge ihn mit Theseus, behauptet Oberon und Titania wirft ihm Untreue mit Hippolyta vor. Doch nicht nur das, die Beschuldigungen beziehen sich auch auf den Knaben, den Titania bei sich aufgenommen hat. Titania will die Verantwortung für dieses Kind tragen und ihm ein Zuhause geben. Sie reicht Oberon die Hand, indem sie ihn zum gemeinsamen Tun einlädt, sonst würde sie sich von ihm zurückziehen. Oberon gibt aber nicht nach, er möchte die alleinige Entscheidungsgewalt über das Kind, worauf Titania wütend den Ort verlässt.
Oberon will dies nicht einfach so hinnehmen und sinnt nach einer List. Er ruft Puck zu sich und beauftragt ihn ein Liebeskraut zu besorgen. Dieses will er Titania verabreichen, sodass sie liebesblind dem erstbesten Geschöpf verfällt, das ihr begegnet. Dann wird sie wohl einwilligen, ihm den Knaben zu übergeben – und dann würde er sie mit dem passenden Gegenmittel wieder aus diesem Zustand erlösen.
Da hört Oberon die Stimmen des wütenden Demetrius und der ihn verfolgenden Helena. Oberon macht sich unsichtbar und belauscht die beiden. Demetrius sucht Lysander, um ihn zu töten, kann aber Helena nicht abschütteln, die ihm ständig ihre Liebe beteuert. Er sagt ihr offen ins Gesicht, dass er sie nicht liebe, doch Helena ist wild entschlossen, ihn zurückzugewinnen. Von Mitgefühl erfasst beschließt Oberon auch das Liebeskraut für Helena anzuwenden. Da kehrt Puck mit dem Liebeskraut zurück, von dem Oberon einen Teil an sich nimmt. Den anderen Teil soll Puck dem Demetrius verabreichen, damit dieser beim Erwachen Helena erblickt und sich unsterblich wieder in sie verliebe. Oberon gibt ihm als Erkennungsmerkmal, dass es sich um einen jungen Mann in athenischen Kleidern handle.
Inzwischen ist Titania tiefer in den Wald geflohen, wo sie von den Elfen in den Schlaf gesungen wird. Oberon nützt die Chance und träufelt der Schlafenden den Trank in die Augen. Auch Lysander und Hermia laufen durch den Wald. Es ist bereits spät, sie sind müde. Da sie sich verlaufen haben, suchen sie einen Schlafplatz, wo sie in gesitteter Entfernung zur Ruhe kommen. Da erscheint Puck und hält Lysander, der ja ebenfalls athenische Kleidung trägt, für Demetrus und träufelt ihm den Liebestrank in die Augen.
Da stoßen immer noch streitend Demetrius und Helena auf die beiden Schlafenden. Lysander erwacht, erblickt Helena und ist sofort in Liebe zu ihr entbrannt. Helena aber fühlt sich verspottet und läuft weg, von Lysander verfolgt, um sie von seiner Liebe zu überzeugen. Als Hermia erwacht, ist Demetrius verschwunden. Verwirrt macht sie sich auf die Suche nach ihm.
Der dritte Aufzug beginnt mit dem Treffen der Handwerker im Wald, wo sie die Tragödie proben wollen. Unweit der schlafenden Titania, von Puck beobachtet besprechen sie die Aufteilung der Rollen und die Regie des Stückes. Puck nimmt an dem Geschehen regen Anteil und verpasst dem Handwerker Zettel einen Eselskopf. Zettel ist höchst erstaunt, als seine Freunde das Weite suchen, denn er selbst hat von der Verwandlung nichts bemerkt. Er denkt, dass sie ihn ärgern wollen und beschließt am Ort zu verweilen, wo er zu singen beginnt. Da erwacht Titania von seinem Gesang und der Liebestrank zeigt seine Wirkung. Auf der Stelle lädt die verliebte Elfenkönigin Zettel in ihren Kreis ein, teilt ihm zu seinem Wohlergehen Diener zu und gesteht ihm ihre Liebe. Zettel jedoch reagiert auf ihr Geständnis mit dem Hinweis, dass Vernunft und Liebe nicht zusammen bestehen können. Titania verlässt mit ihrem Gefolge den Ort.
Puck berichtet Oberon von Titanias Verzauberung. Als Hermia und Demetrius erscheinen, hört er, dass Hermia Demetrius in ihrer Verzweiflung über das Verschwinden des Geliebten beschuldigt, Lysander getötet zu haben.
Aufgewühlt läuft sie weg, während Demetrius sich schlafen legt. Da erkennt Oberon, dass Puck einen Irrtum begangen hat und statt das Liebespaar zusammengeführt zu haben, es jetzt getrennt ist. Der Fehler soll wieder gut gemacht werden, deshalb soll Puck Helena und Demetrius holen. Puck aber genießt den Spaß, dass nun zwei Männer um eine Frau werben. Oberon verzaubert den schlafenden Demetrius, damit er sich beim Anblick von Helena in sie verliebe. Und so geschieht es – Demetrius verliebt sich in Helena. Da sie glaubt, von den beiden Männern in Wirklichkeit gehasst zu werden, zweifelt sie an der Aufrichtigkeit der Beteuerungen. Lysander und Demetrius geraten wegen Helena in Streit und schwören der Liebe zu Hermia ab. Da kommt Hermia dazu und die beiden Männer sagen sich von ihr los. Helena glaubt nun an ein Komplott von allen Dreien – an eine Verschwörung. Helena wirft der ahnungslosen Freundin vor, nicht nur ihre Freundschaft, sondern das ganze weibliche Geschlecht in den Schmutz gezogen zu haben. Da beginnen auch die beiden Frauen zu streiten. Helena gesteht Hermia ihren Verrat, Demetrius von dem Fluchtplan Hermias und Lysanders erzählt zu haben. Hermia will sie nicht mehr sehen, doch Helena kann sich nicht von Demetrius trennen.
Letztendlich verlassen die beiden Männer den Ort, um sich zu duellieren. Tief enttäuscht geht Helena, gefolgt von der fassungslosen Hermia.
Oberon sieht die Verantwortung für das Geschehen bei Puck, der sich nicht schuldig fühlt, da ja auch Lysander athenische Kleidung trägt. Auch hält er die Sache für einen großen Spaß. Um Ärgeres zu verhindern, trägt Oberon Puck auf, die Streithähne zu trennen und Lysander das Gegenmittel zu verabreichen. Ein Nebel erscheint Puck das hilfreiche Mittel zu sein. Oberon will indessen Titania das Gegenmittel verabreichen, weil die Nacht bald zu Ende ist.
Der vierte Aufzug führt uns wieder zu Titania. Sie umsorgt Zettel und sie tauschen Zärtlichkeiten aus, sodass dieser seine Lage sehr genießt. Aber er wird immer eselhafter, so juckt sein Fell und er liebt es auf einmal Heu zu essen. Müde geworden schlafen beide ein.
Nun ist die Forderung Oberons erfüllt, Titania gibt den indischen Knaben frei, nachdem Oberon sie wegen ihrer liebeskranken Beziehung zu Zettel zur Rede gestellt hat. Voll Mitgefühl befreit er sie von dem Zauber, Titania erwacht verwirrt und weiß nicht, was geschehen ist.
Zettel wird in einen tiefen Schlaf versetzt, während dem Puck ihn von seinem Eselskopf befreien soll. Wie ein Traum soll das Geschehen dem Handwerker in Erinnerung bleiben. Oberons Plan ist, sich mit Titania zu versöhnen und am Hochzeitsfest des Theseus mit ihr zu tanzen. Als der Tag anbricht fliehen die Geister das Licht – Oberon und Titania machen sich versöhnt auf den Weg.
Hippolyta, Theseus und Egeus sind am Morgen im Wald auf der Jagd und finden die schlafenden Paare vor. Nach dem Erwachen gesteht Lysander, dass er mit Hermia fliehen wollte, was Egeus in höchste Erregung versetzt. Demetrius hingegen sagt, dass er von dem Fluchtplan wusste, jetzt aber Helena liebe und sie heiraten wolle. Darauf ordnet Theseus gegen den Willen des Egeus eine dreifache Hochzeit an: Hippolyta und Theseus, Helena und Demetrius, Hermia und Lysander. Die Jagd wird abgesagt, um keine weitere Zeit zu verlieren.
Noch fühlen sich Helena und Demetrius, Hermia und Lysander in einem Traumzustand, folgen aber den Anordnungen im Wissen um die Worte des Theseus. Auch Zettel erwacht, in der Annahme einen wilden Traum gehabt zu haben. Ob er ihn wohl aufschreiben soll?
Die Handwerker haben sich auf die Suche nach Zettel gemacht, da sie ohne ihn das Stück nicht aufführen können. Nur er ist in der Lage den Pyramus zu spielen. Nach seinem Auftauchen wird er freudig empfangen und macht sich sofort an die Vorbereitungen für das Schauspiel, indem er auf das Berichten des eben Erlebten vergisst.
Im 5. Aufzug sind die Trauungen vollzogen und das Fest findet statt. Die Paare haben von ihren Erlebnissen berichtet, doch nur Hippolyta schenkt ihnen Glauben, denn alle vier Berichte gleichen einander. Die anderen jedoch halten die Erzählungen für ein Traumgeschehen, Einbildungen.
Bei der Auswahl der Lustbarkeiten fällt die Wahl auf das Stück der Handwerker, was von Theseus guttiert wird. Trotz der Warnung über mangelndes Talent und derbe Komik, will Theseus die Mühen der Handwerker würdigen. Das Stück über die traurige Liebe zwischen Pyramus und Thisbe wird eifrig kommentiert, Theseus verzichtet auf den Epilog und wählt stattdessen einen Tanz. Vierzehn Tage werden die Feierlichkeiten noch andauern, doch jetzt begibt man sich zur Ruhe.
Nun ist die Zeit der Geister gekommen. Alle haben sich zu Ruhe begeben, als Puck die Ankunft der Feen ausruft. Auf Geheiß von Titania und Oberon bewegen sich die Elfen durch das Haus, segnen es und sprechen einen besonderen Segen über die Brautpaare aus. Das Schlusswort hat Puck. Wenn den Zuschauern das Stück gefallen hat, so mögen sie applaudieren, wenn nicht, so mögen sie es als Traum betrachten.
Aus anthroposophischer Sicht
Aus anthroposophischer Sicht wird Shakespeares Sommernachtstraum nicht als Märchen oder Geschichte verstanden, sondern als Quelle tiefer Einsichten in die geistigen Zusammenhänge des Lebens. Für Steiner war Shakespeare ein Eingeweihter, der intuitiv mit der geistigen Welt verbunden war. So konnte er in diesem Werk das Zusammenwirken der geistigen Welt und der Naturkräfte auf der Erde sichtbar machen. Im Sommer sind die Naturkräfte in ihrer maximalen Ausrichtung dem Kosmos zugewendet und diese Ausdehnung macht die menschliche Seele mit. Leicht verliert der Mensch dann den Bezug zur Realität, er beginnt zu schwärmen, träumen, ist manchmal sogar verwirrt.
So steht in der Komödie der Wald als Bild für die astrale Welt, wo andere Gesetze herrschen als auf der physischen Welt. Daher verlieren die Liebenden ihr rationales Bewusstsein, sobald sie diesen Raum betreten, sie unterliegen dem Irrationalen, den Kräften des Unbewussten und der Leidenschaften. Feen, Elfen und Elementarwesen sind reale Naturwesen, sie verwalten das Unbewusste, das Triebhafte im Menschen. So ist auch der Zaubersaft des Oberon zu verstehen, der das bewusste Ich ausschaltet und das Leben des Menschen in Liebesangelegenheiten lenkt.
Die Mittsommernacht ist hier von großer Bedeutung, noch heute wird diese Nacht besonders gefeiert und es gibt viele damit verbundene Bräuche. Man sagt, dass in dieser Nacht die Schleier zur geistigen Welt besonders dünn und durchgängig sind und dadurch die Trennung zwischen Realität und Traum oft aufgehoben wird. Es ist also das Heraustreten des Astralkörpers aus dem physischen Körper, was die Liebespaare hier erleben, wodurch die Protagonisten zu tieferen, aber auch verwirrenden Erkenntnissen kommen. Der Eselskopf des Zettels steht hier symbolisch für den reinen Intellekt und die Triebhaftigkeit des Menschen. Erst wenn diese Eigenschaften überwunden sind, gelingt es dem Menschen zu höheren geistigen Erkenntnissen zu kommen. Am Ende des 4. Aufzuges kehren die Paare nach Athen zurück – diese Rückkehr bedeutet im Sinne der Anthroposophie das Erwachen des menschlichen Ichs. Nachdem sich die Naturgeister am Ende der Mittsommernacht wieder zurückgezogen haben, löst sich das Chaos auf und „der Mensch” ordnet „vernünftig” das Erlebte.
Am Ende steht die Harmonie zwischen dem irdischen Bewusstsein und den geistigen Kräften – symbolisiert durch die Hochzeit des Theseus mit der Amazonenkönigin Hippolyta.
