Weihnachtsgebäck zwischen Tradition und neuem Kulturimpuls

Text: Ute Golth, Salzburg; Bilder: Siegenstern, Christine Cologna, Fotos: Norbert Liszt, Alexandra Fischer

Der Advent – die Zeit der Ankunft – naht. Die Novembertage bringen einen weitgehenden Abschied von den tragenden und aufbauenden Kräften der Sonne. Bescheidenheit und Ernüchterung in Bezug auf das Verhältnis des menschlichen Wohlbefindens zu Sonnenlicht und Sonnenwärme werden dem Aufmerksamen bewusst.

Nun im Advent – es ist wirklich die dunkelste Zeit des Jahres – zünden wir gerne eine Kerze an, trinken wärmenden Tee und freuen uns am Duft, der von der Küche kommt und das ganze Haus erfüllt: es duftet nach frisch gebackenem Früchtebrot oder nach köstlichen Keksen.

Woher mag diese Tradition kommen? Waren es die Früchte des Herbstes, die man durch Trocknung haltbar gemacht, nun einer weiteren Veredelung zuführen mochte? War es das Wissen um die kommenden Raunächte, in denen der Mensch sich einerseits gegen Kälte und Finsternis zu wappnen hatte – andererseits sich zu stärken suchte, um den Kräften des sprechenden Geistes in dieser Zeit begegnen zu können?

Über Frühjahr, Sommer und Herbsteszeit bestaunte man das Wachsen und Fruchten dessen, was zu ernähren vermag. Das kleine grüne Äpfelchen schwoll langsam an und bekam schließlich – oh Wunder – seine roten Backen. Das Korn hatte sich vervielfältigt und goldene Vliese über die Fluren gelegt. Es war die liebe Sonne, die über das Jahr Stärke- und Zuckerbildung in Körnerfrüchten, Obst und Gemüse bewirkte.

Wenn wir über die Jahreswende unser Weihnachtsgebäck verzehren, muss das nicht alleine Genuss-befriedigung oder Traditionspflege bedeuten. Im qualitätsvoll Süßen führen wir uns jene Kräfte zu, die wir im Äußeren entbehren, und nun durch menschliche Kulturtaten in verwandelter Form als irdische Nahrung auffinden. Dieser Aspekt des „Naschens im Winter“ kann zum Impuls führen, traditionelles Gebäck umzuwandeln in echte stärkende Bewusstseinsnahrung.

Rudolf Steiner stand nicht an, seine Geistesforschung auch auf die profanen Bereiche menschlichen Lebens anzuwenden. Wertvolle Hinweise verdanken wir ihm dadurch im Hinblick auf eine leib-, seele- und geistbefördernde Ernährungsweise. Von seiner frühesten Vortragstätigkeit bis in sein letztes Lebensjahr wurde er nicht müde, Anregungen dafür zu geben. So spricht er am 31. Juli 1924: “In den Saatfrüchten sind die Kohlenhydrate so, dass der Mensch in der gesündesten Art Zucker zubereitet…(und er) sich dadurch so stark machen kann, als nur möglich ist.“    „Denn Stärke in Zucker verwandeln, da werde ich stark.“

Es ist also wichtig, dass der Mensch im Verdauungsvorgang Eigenaktivität entfalten kann. Dies geschieht, wenn er Stärke in Zucker umwandelt. In der Folge macht diese Aktivität ihn stark. Geheimnisvoll spielt sich der Zuckerprozess in uns ab. Der sogenannte Blutzuckerspiegel muss sich stets innerhalb fester Grenzen bewegen, denn bei Schwankungen kann sich jenes Wesensglied, das alleine den Menschen  auszeichnet – das ICH – nicht richtig in der Leibesorganisation halten.

Wir wissen, wenn der Blutzuckerspiegel zu niedrig ist, können wir uns nicht mehr konzentrieren, wir erleben Schwäche, die im Extremfall bis zur Bewusstlosigkeit führen kann. Weniger bekannt ist, dass die Zuckerverdauung Vitamin B für den Umbau des Kohlenhydrates benötigt. Dieses liefert nun das Getreide in seinen Randschichten mit. Bei den Auszugsmehlen fehlt es, und dieser Umstand könnte zur Volkskrankheit Diabetes beitragen. Wärme, Kraft und Bewusstsein schenkt uns nur der eigenkörperlich erzeugte Zucker, welcher aus dem vollen Korn aufgebaut werden kann. Und es ist sehr bestimmend für den Nährwert einer Pflanze, dass Licht und Wärme in voller Intensität den Substanzaufbau bewirkt haben.

Für die Planung der Weihnachtsbäckerei ist es sinnvoll und für einige Getreidearten möglich Demeterqualität aus samenfesten Sorten zu besorgen, um die Kräftigungseffekte beim Naschen zu erzielen. Es versteht sich von selbst, dass raffinierter Zucker vorsichtig einzusetzen ist.

Es soll nun eine Ideenanregung zur Erneuerung des Backens folgen, die über die bisher genannten Aspekte hinausführen:

Diese Ausgabe des „Wegweisers“ ist der Eurhythmie gewidmet. Der dankbare Laie durfte in manchen Stunden erleben, wie diese immer noch neue Bewegungskunst es vermag, höchste kosmische Ordnungen am eigenen Leib empfindbar zu machen: seien es die Qualitäten des Tierkreises, sei es die Zahl des Menschen im Fünfstern, seien es die mehr ruhenden Gewalten des Sechssternes, oder die hohen Wesenswege der sieben Planeten im Schreiten des Siebensternes…

Auch beim Weihnachts-Kekse-Backen suchen wir dem Teig liebevoll eine Formgeste zu geben. Vielleicht findet sich im Küchenfundus noch eine schöne Sternenform der einen oder anderen Art? Ein 7Stern wird leider schwer zu finden sein, doch: in 7 Wochentage ist unser Alltag gegliedert, 7Hauptgetreidearten schenkt uns die vom Menschen veredelte Natur, 7 Planeten kreisen aus geozentrischer Sicht unter dem Fixsternhimmel. Ursprünglich wurde in jedem Wochentag eine ganz besondere Wesenheit erlebt, die je einen Planeten impulsiert. Die Namen der Wochentage erinnern daran. Jede Getreideart hat einen bestimmten Bezug zu diesen kosmischen Kräften.

SiebensternSonntag – Sonne – Weizen              Montag – Mond – Reis

Dienstag – Mars – Gerste                 Mittwoch – Merkur – Hirse

Donnerstag – Jupiter – Roggen        Freitag – Venus – Hafer

Samstag – Saturn – Mais

Liegt es da nicht nahe einmal in der Weihnachtszeit die Siebenheit der Getreide in Form von Keksen geschmacklich kennen zu lernen?

Wer sich der geistigen Nahrung in den heiligen Nächten zuwenden  möchte, kann dies mit den 7 Planetensiegeln von Rudolf Steiner in Goldprägung auf blauem Karton tun.

Zu bestellen über art8kunst@protonmail.ch

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