Eurythmie – für das Wirtschaften und den Geldkreislauf?

Text : HERMES-Österreich.

„Es ist die spezielle Aufgabe unseres Zeitalters, das bildliche Vorstellen, Imagination zu entwickeln… eine imaginative Geisteskultur… mit bildhaften Vorstellungen, das ein bildhaftes Gemeinsamkeitsleben bewirken kann.“1

Der Eurythmiepädagoge Jürgen Frank schildert wesentliche Gesichtspunkte zum Zusammenhang von Wirtschaften als soziales Füreinander und Eurythmie: <Soziales Verhalten… lässt sich nicht intellektuell vermitteln… es braucht für den einzelnen Menschen einen Übungsweg als Bestandteil des Unterrichts. Einer der wesentlichen Impulse Rudolf Steiners zielt auf eine Verbesserung des sozialen Miteinanders der Menschen und damit der Nationen untereinander. Zeitgleich mit der Entstehung seiner sozialen Impulse entwickelte Steiner die Kunst der Eurythmie. In ihr eröffnet sich ein Übungsfeld, auf dem Menschen im Rahmen einer Kunst soziales Miteinander erlernen können… Die vielen Hinweise Steiners auf die Bedeutung einer gesunden Bewegungsentwicklung für die Ausbildung des Denkens werden durch die heutige Hirnforschung bestätigt. Bewegung aktiviert geistige Fähigkeiten… Neben der Unterstützung der Bewegungsentwicklung, der Stärkung des Willens, stellt die Entwicklung einer «gesunden Empfindung» eine wesentliche Aufgabe der Schuleurythmie dar. Gerade im Bereich des Fühlens, des Zulassens und Zeigens von Gefühlen spielt die Eurythmie eine große Rolle… Lernen ist erfolgreich, wenn das Gefühl beteiligt ist… Nur in wenigen Schulformen wie der Waldorfschule gibt es eine verstärkte Pflege der emotionalen Intelligenz… Die Arbeitswelt ist inzwischen weitgehend digitalisiert und dies wird sich noch verstärken. Gunter Dueck, Mathematiker und ehemaliger CTO bei IBM, prognostiziert eine Arbeitswelt, in der es nur in den Bereichen Arbeit gibt, für die der Computer zu dumm ist. Was kann der Computer nicht? Was benötigt die Arbeitswelt an Fähigkeiten?… Persönlichkeitsbildung, eine Orientierung in der Welt, die in den eigenen Idealen verankert ist. Was brauchen wir für unsere Zukunft und was brauchen unsere Kinder? Menschen, die im besten Sinne sozial mit ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt umgehen. Menschen, die eine Wahrnehmung des Zwischenmenschlichen haben, Menschen, die in einem gesunden Verhältnis zur Welt stehen. Soziale Kompetenz ist ohne Empathie nicht möglich.>2
„Das Eurythmisieren ist ein Umsetzen des Sprachlichen in den entsprechenden Bewegungsrhythmus, in die Geste… wir müssen lernen, dasjenige, was uns sichtbarlich entgegentritt, z.B. aus der Natur, wie eine Art Sprache zu empfinden…“3 Das Erfassen der Gebärdensprache der Natur hilft, Intuitionen zu entwickeln für ein der Erde zugewandtes Wirtschaften.
Unsere Rechtsvorstellungen entwickeln sich aus der Inspiration heraus, wenn der Mensch dem Menschen mit Empathie gegenübertritt. Die Probleme, die wir uns geschaffen haben in
der Natur, im Zwischenmenschlichen, fordern von uns, vieles zu verändern, umzudenken, anders zu fühlen und anders zu wollen.

„Aber darauf kommt es an, dass wir nicht nur das Konkrete, das Sinnliche anders vorstellen… sondern dass wir eine Empfindung haben von diesem Andersvorstellen! Diese Empfindung können wir uns an der Eurythmie aneignen… durch die Gebärde kommt dasjenige, was in den Worten liegt, zum Ausdruck. Und die Menschen können sich wieder zurückfinden zu dem bildlichen Vorstellen.“4
Das eurythmische Bewegen hilft uns, die Bewegung im Wirtschaftskreislauf zu erfassen – vom Anbau der Nahrungsmittel oder Abbau von Bodenschätzen über das Bearbeiten und Herstellen bis zum Liefern und Konsumieren und wieder zurück zur Natur. Im Fließen des Geldes und in seinem Gebrauch als Gestaltungsmittel liegt auch Bewegung – das Kaufgeld im Warenverkehr hat eine ganz andere Gebärde als das Leihgeld im Herstellungsprozess – oder die intuitiv wahrzunehmende Umwandlung in Schenkungsgeld für Bildung.

Hermes Eurythmie (2)1) , 3) , 4) Rudolf Steiner, Vergangenheits- und Zukunftsimpulse im sozialen Geschehen, GA 190, 1919
2) Jürgen Frank, Erziehungskunst, Juni 2016
Bild: Eurythmiekongress <What moves you>

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