Friedensideal

Text: Wolfgang Schaffer

Krieg ist das Erheben eines Gegners zum Ziel aktiver Gewalt. Frieden ist das freiwillige Angebot gemeinsamer Entwicklung durch aktive Unterstützung gegenseitiger Einzigartigkeit. Es gibt keinen Grund, Krieg gegen andere Menschen zu führen als die Überzeugung davon, seinen Gegner den eigenen Interessen unterordnen zu müssen. Die Not sich gegen kriegerische Angriffe zur Wehr zu setzen, entspringt dem Anspruch, das gleiche Recht auf Existenz zu haben wie der Aggressor.

Ein Friedensideal liegt in dem Satz begründet „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” Diese Aufforderung gilt zuerst sich selbst. Suche Abstand zu dir selber und betrachte dich als Fremden. Lerne dich zu lieben als einen völlig Unbekannten. Sei dir, so fremd geworden, dann dein wahrer Nächster. Erkenne deine Seele und deinen Geist aus dieser Distanz in ihrer Unsterblichkeit. Fürchte nicht den Tod materieller Vergänglichkeit. Beuge deinen Willen nicht aus Angst um das eigene Leben zu unguten Taten. Beuge ihn auch nicht der Lust am Leiden eines anderen Wesens. Suche den Tod nicht aus Angst vor sinnlosem Leiden.

Gehe mit deiner Einsicht auf den anderen Menschen zu. Er ist wie du! Gönne ihm zuerst, was dir selbst von Nöten ist. Hilf ihm, wo er sich selber noch nicht helfen kann. Übe deine Kräfte! Wenn jemand deine Unterstützung schätzen kann, wird sich sein Wille auch dir hilfreich erweisen. Wende deinen guten Willen auch dir selber zu. Schaffe dir Respekt und Anerkennung durch das Bejahen deiner eigenen Bedürftigkeit.

Übe die Geduld in der geistigen Auseinandersetzung. Bleibe wachsam und entschlossen im Ausgleich der Ideen. Darin ist Angriff und Verteidigung gegenteiliger Ansichten das richtige Maß. Das Streben im Geiste wird sich nicht die physische Vernichtung gegnerischer Standpunkte erhoffen. Ein Friedensideal schließt das Gegenargument in die Veredelung der eigenen Idee triumphierend ein! So wird der Feind im Geistigen zur Bereicherung der eigenen Existenz herzlich willkommen geheißen. „Liebet eure Feinde” ruft uns dazu auf, das Selbstbild ganz aus freiem Willen aufzuschließen – auch für das ganz andere – soweit dadurch die eigene Wesenheit nicht in Bedrängnis gerät.

„ Dasjenige, was ein ewiges Friedensideal ist, das wird niemals durch ein Tröpfchen Blut erreicht, das hervorgerufen worden ist durch ein Kriegsinstrument. Das muss auf ganz andere Weise in die Welt gesetzt werden! Und sei es wer immer, der da sagt, er kämpfe für den Frieden und müsse deshalb Krieg führen, Krieg bis zur Vernichtung des Gegners, um Frieden zu haben, der lügt, wenn er sich dessen auch nicht bewusst ist, wer er auch immer sein möge.” Rudolf Steiner, GA 173, S. 221D)

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