Text: Norbert Liszt im Gespräch mit Rudolf Enzenberger
Die landwirtschaftliche Gemeinschaft am Hochschopf möchte für eine gesunde Lebensmittelversorgung im Mühlviertel sorgen. Sie wollen den Menschen der Region achtsam produzierte, hochwertige Lebensmittel aus biodynamischer Landwirtschaft anbieten.
Wie kam es zur Gründung der Hochschopfgemeinschaft?
Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, absolvierte eine Maschinenbauausbildung an einer HTL und auf der Suche nach Arbeit landete ich in der oberösterreichischen Nationalbank in Linz. Als Überbrückung gedacht wurden daraus 19 Jahre.
Eine Eingebung führte mich eines Tages in das Haus der Anthroposophischen Gesellschaft in Linz. Dort gab es einen landwirtschaftlichen Kurs. Ich war gleich sehr angetan von dem, was ich dort über die biologisch-dynamische Landwirtschaft erfahren habe. Davon inspiriert kauften ich und meine Frau im August 1993 den nordwestlich von Linz liegenden Hof am Hochschopf, der komplett heruntergewirtschaftet war. In einer langen Bauphase musste viel saniert werden. Er sollte aber kein Familienbetrieb bleiben, denn das Bestreben war, eine Landwirtschaftsgemeinschaft aufzubauen.
Derzeit liegt die landwirtschaftliche Kultur am Boden. Vielerorts betreibt man Landwirtschaft nach industriellen Maßstäben. Damit zerstört man die bäuerliche Kultur und die Kulturlandschaften. Durchschnittlich geben sieben Bauernhöfe pro Tag in Österreich den Betrieb auf. Diese Erkenntnis bewirkte, dass wir den Hochschopf als Kulturoase auf Grundlage der biodynamischen Landwirtschaft verstehen möchten. Wir wollen die Landwirtschaft mit einem neuen Geist ergreifen. Aus Agrotechnik soll eine Agrokunst werden. Das Kunstwerk ist die kultivierte Natur.
Wie ist eure Hofgemeinschaft strukturiert?
Das Hochschopfgut ist dreigeteilt. Es gibt ̇1) die Landwirtschaft, 2) den Verein Lebenstraum, der von der Landwirtschaft Rohstoffe kauft und sie weiterverarbeitet und 3) die Gemeinschaft am Hochschopf, sie kauft den Hof und initiiert die Landwirtschaftsgemeinschaft.
Es werden insgesamt 28 ha Felder und 7 ha Wald bewirtschaftet. Dazu gehört auch die Saatgutherstellung, als wichtiges Element zum Erhalt der Sortenqualität und -vielfalt.
Wir haben die Vision, dass um den Bauernhof herum alles Mögliche entsteht (Kultureinrichtungen, Kunstwerkstätten, ev. auch pädagogische Einrichtungen, Wohngemeinschaften …). Wir organisieren Seminare, Vorträge und Lesekreise.
18 Menschen sind derzeit Mitglied der LW-Gemeinschaft. Es gibt Nachfrage. Menschen wollen wissen, was am Hof passiert. Kinder einer Schule kommen, um zu erfahren, wie das Leben am Hof funktioniert. Sie können erfahren, welche Veränderungen es im Jahreslauf gibt.
Was sind die besonderen Merkmale der biodynamischen Landwirtschaft?
Wenn man in die biodynamische LW eintaucht, bekommt man eine Ahnung davon, wie wir mit der ganzen Welt, auch dem Kosmos im Zusammenhang stehen. Aus diesem großen Zusammenhang ergibt sich, dass die Umsetzung ins Konkrete schwierig ist und man deshalb Vieles zu bedenken und in Erfahren zu bringen hat. Dabei taucht die Frage auf, wie die Landwirtschaft mit dem Kulturellen, Sozialen, Medizinischen … in Verbindung treten kann.
Der herkömmliche Landwirtschaftsbetrieb funktioniert so, dass Rohstoffe durch die Bodenbearbeitung, die Pflanzenpflege und Tierhaltung aufgebracht werden. Dann wird in einer Produktionshalle etwas daraus erzeugt. Die industrielle LW kann man so beschreiben: Man hat einen Stall und dort produziert man Kühe, Schweine, Hühner …. Das entspricht in keiner Weise dem Prinzip eines Organismus. Viele Bauern denken hauptsächlich wirtschaftlich. Wie viele Schweine muss ich halten, dass ich überleben kann?
Wie macht es der biodynamische Bauer?
Der biodynamische Bauer weiß, dass sein Hof und alles, was dazugehört, ein Organismus ist und dass die einzelnen Organe miteinander verbunden sind. Die Kuh frisst das Gras auf der Weide, kaut es und „durchseelt“ es durch ihr Empfinden beim Wiederkäuen. Ihre Ausscheidungen werden zum Mist. Der kommt als Kompost wieder auf die Felder und Wiesen. Die Kuh frisst also das Futter, welches aus dem Boden kommt, an dessen Düngung sie selbst mitgewirkt hat. Dadurch entsteht ein Kreislauf, der sich laufend verbessert. Es bildet sich eine bessere Futterverwertungskraft, da sich die Kuh auf diese Verhältnisse einstellt und sich an sie gewöhnt. Sie kann dadurch besser damit umgehen. Wird Mist vom Nachbarhof genommen, dann nur zum Zweck der Heilung der eigenen Landwirtschaft und nicht als Wirtschaftsmethode. Am Hochschopf haben wir erreicht, dass jedes Rind auf dem Hof geboren ist. So werden die Tiere dem Menschen immer zuträglicher.
Auch der Boden stellt sich durch den Dünger, den er immer wieder bekommt, auf diese Verhältnisse ein. Dieser Kreislauf erzeugt einen geschlossenen Organismus, der sich aus bestimmten Tier- und Pflanzengemeinschaften zusammensetzt, die ganz individuell auf den bestimmten Flecken Erde abgestimmt sind. Dieser in sich bestehende Hof-Organismus darf dann als „Hofindividualität“ bezeichnet werden.
Der Boden
Mit der Ernte werden dem Boden Kräfte entzogen und irgendwann ist er erschöpft. Wenn der Mensch dem Boden Substanzen und Kräfte zur Ernährung von Mensch und Tier entzieht, muss er dafür sorgen, dass ihm diese wieder zugeführt werden. Der Bauer lässt die Natur nicht allein. Er pflegt und veredelt sie durch sein empfindsames Verstehen und Eingreifen in die Naturzusammenhänge. Das ist eine Erkenntnisaufgabe für den Bauern.
Zur Kultivierung und Belebung der Nährstoffdynamik im Boden verwendet die biodynamische LW neben Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Düngeraufbereitung … auch Präparate. Sie stellen eine Verbindung von kosmischen und terrestrischen Wirkungen dar, die in geringer Menge in den Boden eingebracht werden und dessen Nährstoffdynamik stärken sollen. Stofflich sind sie meistens eine Kombination von pflanzlichen und tierischen Substanzen. Durch ihre Wirkung sollen Wachstum und Qualität der Pflanzen, sowie die Tiergesundheit gefördert werden. Dabei unterscheidet man „Kompostpräparate“, die dem Dünger zugegeben und über diesen Weg in den Boden eingebracht werden – und „Spritzpräparate“, welche rhythmisch im Wasser verrührt und auf den Feldern ausgespritzt werden.
Entscheidendes gegen die Bodenerschöpfung trägt die Fruchtfolge bei. Gerne werden dafür Kleesorten, verwendet. Diese und andere Hülsenfrüchtler bilden mit den Knötchenbakterien eine Symbiose. Sie holen sich den Stickstoff aus der Luft und machen ihn biologisch verfügbar. Damit sind sie ein wichtiger Faktor, der den Boden durchlüftet und mit regenerierenden Substanzen versorgt. Im Boden herrscht die größte Lebendigkeit. Dort sind auch Sauerstoff und Stickstoff lebendig. In der Atmosphäre ist der Sauerstoff tot. Wäre er lebendig wie im Boden, würden wir durch das Einatmen ohnmächtig werden.
Die biodynamische LW ist bemüht, immer im Lebendigen zu bleiben. Sie versucht die Wirkprinzipien der Natur zu verstehen und zu fördern. Beispiel: Der Dünger soll im Lebendigen bleiben und nicht wie der Kunstdünger ins rein Mineralische fallen.
Die Lebendigkeit der Erde nimmt nach und nach ab. Sie ist wie jedes lebendige Wesen einem Entstehens- und Vergehensprozess unterworfen. Das wird beschleunigt, wenn wir die Natur ausbeuten und sie nur nach Nützlichkeitsprinzipien behandeln. Mit der biodynamischen LW versuchen wir, diesen Prozess zu verlangsamen, indem wir sorgsam mit ihren Lebenskräften umgehen.
Die Verbindung mit dem Wesenhaften der Natur, ob bewusst oder unbewusst, und das Verantwortungsbewusstsein der Natur gegenüber ist in unserer Zeit eine wichtige Kulturaufgabe. Eine dieser Kulturaufgaben ist die Forschung, d.h. das erkenntnishafte Durchdringen der Naturprozesse, um sie besser fördern zu können. Wir sehen sie als bedeutende Zukunftsaufgabe und wollen ihr auf unserem Hof eine Stätte geben.
Man soll dem landwirtschaftlichen Betrieb eine neue Dimension geben und ihn als Kulturstätte anerkennen. Das ist eine Gesellschaftsaufgabe, eine soziale Aufgabe, an der Menschen aus allen Gesellschaftsschichten mitwirken können.
Lieber Rudi, ich danke Dir für das Gespräch.
Hochschopf
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